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Flughafen Mailand-Bergamo: Vom Militärfeld zum Ryanair-Giganten – und 2026 kommt die Bahn

Er liegt zwischen der Autobahn A4 und den Ausläufern der Alpen, er heißt offiziell nach einem Barockmaler, und er befördert mehr Passagiere als die Flughäfen von Wien, Zürich oder Brüssel: Der Flughafen Mailand-Bergamo, im Fachjargon „Orio al Serio" oder schlicht BGY, ist eine der erstaunlichsten Erfolgsgeschichten der europäischen Luftfahrt. 17,35 Millionen Passagiere zählte er 2024 – Platz drei in Italien, direkt hinter den Schwergewichten Rom-Fiumicino und Mailand-Malpensa. Und wer denkt, das sei eine Randerscheinung: Das ist mehr als ganz Athen, ganz Helsinki oder ganz Prag. Günstig parken am Bergamo kann man mit unserem Parkplatzvergleich.

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Kein Pilot, kein Politiker, kein Industrieller: Der offizielle Name „Il Caravaggio International Airport" ehrt seit dem 23. März 2011 den Barockmaler Michelangelo Merisi, den die Welt als Caravaggio kennt.

Geboren 1571 in Mailand, aufgewachsen in der Kleinstadt Caravaggio – nur 30 Kilometer südlich des heutigen Terminals –, revolutionierte Merisi mit seiner dramatischen Helldunkel-Technik die europäische Malerei. Werke wie die „Berufung des Matthäus" in Roms San Luigi dei Francesi oder die „Enthauptung Johannes des Täufers" in Valletta gelten als Meilensteine der Kunstgeschichte.

Dass die italienische Luftfahrtbehörde ENAC dem Antrag der Betreibergesellschaft SACBO stattgab, den Flughafen einem Maler statt einem Flieger zu widmen, ist europaweit nahezu einzigartig. In Bergamo entschied man sich bewusst für den kulturellen Bezug zur Provinz – und damit für einen der einflussreichsten Künstler überhaupt, der zufällig fast vor der Flughafentür aufwuchs.

1937: Militärflugplatz. 1972: Erster Zivilflug. 2002: Ryanair kommt. Alles ändert sich.

Die Geschichte liest sich wie ein Drehbuch über Transformation. 1937 errichtete die italienische Luftwaffe nahe dem Fluss Serio einen Militärflugplatz. Im September 1943 übernahm die deutsche Wehrmacht den Standort und nutzte ihn bis Kriegsende. In den Jahrzehnten danach forderten Bergamos Unternehmer eine zivile Mitnutzung – doch Mailand und die Betreiber von Linate und Malpensa blockierten jeden Vorstoß.

Erst 1970 wurde die Flughafengesellschaft SACBO gegründet. Am 21. März 1972 hob der erste Zivilflug nach Rom ab, durchgeführt von der Airline Itavia. Doch der Durchbruch ließ auf sich warten. Obwohl der Flughafen zentral in der Poebene liegt, mit fünf Millionen Menschen im Einzugsgebiet, entwickelte sich der Passagierverkehr schleppend.

Dann kam 2002. Die Start- und Landebahn von Mailand-Linate musste saniert werden, der Airport schloss vorübergehend – und Teile des Flugbetriebs wanderten nach Bergamo. Genau in diesem Moment wählte Ryanair Orio al Serio als ersten kontinentaleuropäischen Stützpunkt. Der Rest ist Luftfahrtgeschichte: 1999 hatte Bergamo erstmals die Eine-Million-Marke überschritten. 2005 waren es 4,3 Millionen. 2015 über 10 Millionen. 2024 dann 17,35 Millionen – ein Plus von 8,6 % gegenüber dem Vorjahr und weit über dem Vorkrisenniveau von 2019 (13,9 Millionen).

Ryanair-Festung: 22 Flugzeuge, 140 Millionen Passagiere, 80 Routen

Die Zahlen klingen nach Großflughafen, und das sind sie auch: Mailand-Bergamo ist einer der vier weltweit größten Ryanair-Stützpunkte – gleichauf mit Dublin, London Stansted und Brüssel-Charleroi. Im Winter 2025/26 sind 22 Boeing 737 in Bergamo stationiert, ein Investitionsvolumen von über zwei Milliarden US-Dollar. Rund 80 Routen bedient die irische Airline von hier, im Sommer 2024 waren es sogar 116 Ziele mit knapp 1.800 wöchentlichen Flügen. Seit 2002 hat Ryanair kumuliert mehr als 140 Millionen Passagiere ab Bergamo befördert.

Neben Ryanair fliegen rund 25 weitere Airlines ab BGY, darunter Wizz Air, Volotea, Neos, Pegasus Airlines, Norwegian, Eurowings, Air Arabia, flydubai, Georgian Airways und AeroItalia. Das Profil ist eindeutig: Bergamo ist ein Low-Cost-Hub, kein Drehkreuz für Netzwerk-Carrier. Wer günstig durch Europa fliegen will, findet hier eines der dichtesten Streckennetze des Kontinents.

150 Ziele in 39 Ländern – und für Deutsche besonders interessant

Das Streckennetz von Bergamo umfasst rund 150 Direktziele in 39 Ländern. Die meistgeflogene internationale Route ist Tirana (Albanien) mit durchschnittlich 31 wöchentlichen Abflügen, gefolgt von London Stansted und Barcelona. Inneritalienisch führen Catania und Brindisi.

Aus dem deutschsprachigen Raum fliegt Ryanair Berlin, Köln/Bonn, Weeze, Frankfurt-Hahn und Nürnberg an. Eurowings ergänzt saisonal Düsseldorf. Für deutsche Urlauber, die günstig nach Norditalien, an den Comer See, an den Gardasee oder in die Lombardei wollen, ist Bergamo damit oft die preiswerteste Option.

Aber auch Fernziele sind im Angebot: flydubai und Air Arabia verbinden Bergamo mit Dubai und Sharjah – die mit rund sechs Stunden Flugzeit und 4.638 km längste Nonstop-Strecke ab BGY. Georgian Airways fliegt Tiflis an, Cabo Verde Airlines die Kapverdischen Inseln.

2026: Endlich Bahn – der Flughafen bekommt einen Bahnhof

Das größte Manko von Bergamo war jahrzehntelang die fehlende Schienenanbindung. Der nächste Bahnhof – Bergamo Hauptbahnhof – liegt 5,6 Kilometer entfernt, erreichbar nur per Bus. Das ändert sich grundlegend: Eine 5,3 Kilometer lange Neubaustrecke verbindet den Bahnhof Bergamo mit einem eigenen Flughafenbahnhof, der über einen unterirdischen Tunnel direkt an die Ankunftshalle angeschlossen wird.

Das Projekt, geführt von der italienischen Bahninfrastrukturgesellschaft RFI und teilfinanziert aus dem nationalen Recovery-Plan (PNRR), umfasst Investitionen von über 200 Millionen Euro. Der neue Bahnhof erhält vier Gleise mit 250 Meter langen Bahnsteigen. Geplant sind bis zu 80 tägliche Verbindungen ab Mailand – darunter zwei Züge pro Stunde ab Milano Centrale. Die Fahrzeit vom Mailänder Hauptbahnhof: rund 60 Minuten. Ab Bergamo: nur 10 Minuten.

Die Inbetriebnahme ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant – im Umfeld der Olympischen Winterspiele Mailand–Cortina d'Ampezzo. Für Reisende aus Deutschland bedeutet das: Wer ab 2026 nach Bergamo fliegt, kann per Bahn komfortabel weiter nach Mailand, Monza, Lecco oder an den Comer See.

So kommt man heute zum Flughafen – und so parkt man

Bis der Bahnhof kommt, bleibt der Bus das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel. Zwischen dem Flughafen und dem Mailänder Hauptbahnhof (Milano Centrale, Piazza Luigi di Savoia) fahren die Shuttles von Autostradale, Terravision, Orioshuttle und Flibco im 20- bis 30-Minuten-Takt. Fahrzeit: rund 60 Minuten, Tickets ab etwa 7 Euro (online meist günstiger). Die ATB-Buslinie Airport Bus 1 verbindet den Airport alle 10 Minuten mit dem Bahnhof Bergamo und der Innenstadt.

Mit dem Auto liegt Bergamo direkt an der Autobahn A4 (Turin–Mailand–Venedig), der wichtigsten Ost-West-Achse Norditaliens. Von Mailand sind es rund 45 Minuten, von Brescia etwa 30 Minuten.

Wer am Flughafen parken will, hat drei offizielle Optionen:

P1 (Kurzzeitparkplatz): Direkt am Terminal, die ersten 60 Minuten kostenlos. Ideal zum Abholen und Bringen. Für Langzeitparker mit rund 30 € pro Tag allerdings teuer.

P2 Terminal: Rund 100 Meter vom Terminal, mit überdachten (P2A/P2B, ca. 25–32 €/Tag) und offenen Bereichen (ab ca. 9 €/Tag). Die goldene Mitte für mehrtägige Reisen.

P3 Smart: Der Langzeitparkplatz, rund 800 Meter bis 1 km vom Terminal, mit kostenlosem 24-Stunden-Shuttle alle 20 Minuten. Überdacht ab ca. 7 €/Tag, im Freiluftbereich ab ca. 4,50 €/Tag. Auf dem Dach erzeugt eine Solaranlage grünen Strom für den Flughafenbetrieb.

Noch günstiger sind private Parkplatzanbieter in Flughafennähe, die mit Shuttles arbeiten – ab rund 4 €/Tag. Über park-sleep-fly.net sind Parkplätze am Flughafen Bergamo ab 64 € für 7 Tage buchbar, inklusive kostenfreier Stornierung bis zum Anreisetag.

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Terminal-Ausbau: 55 Millionen Euro für das Wachstum

Das Passagierwachstum erfordert Infrastruktur. SACBO hat seit 2020 rund 300 Millionen Euro investiert. Die jüngste Terminalerweiterung, Ende 2025 eröffnet, bringt 30 neue Self-Check-in-Stationen (insgesamt nun 64), eine verdoppelte Gepäcksortierung und einen komplett neuen Sicherheitsbereich mit 14 Durchleuchtungslinien der neuesten Generation – Laptops und Flüssigkeiten können im Handgepäck bleiben. Ein KI-System überwacht die Passagierströme in Echtzeit.

Der Flughafen hat weiterhin nur ein Terminal, aufgeteilt in Zone A (Gates A1–A15) und Zone B (B1–B5). Nur zwei Gates (A13, B5) verfügen über Fluggastbrücken; alle übrigen nutzen Bus-Boarding – typisch für Low-Cost-Airports.

Drei Flughäfen, ein System: Bergamo im Mailänder Airport-Dreieck

Bergamo ist Teil des Mailänder Flughafensystems, das 2024 mit insgesamt 56,9 Millionen Passagieren Italiens größtes Airport-System bildet – vor dem Römer System aus Fiumicino und Ciampino. Die drei Airports ergänzen sich:

Malpensa (28,9 Mio.) ist das interkontinentale Gateway mit zwei Terminals und zwei Parallelpisten. Hier fliegen Emirates, Singapore Airlines, Neos-Langstrecke.

Linate (10,6 Mio.) ist der innerstädtische Business-Airport, seit Oktober 2024 per Metro M4 in 12 Minuten mit dem Stadtzentrum (San Babila) verbunden.

Bergamo (17,4 Mio.) ist der Low-Cost-Spezialist mit der stärksten Wachstumsdynamik aller drei.

Betrieben wird Bergamo von SACBO S.p.A., einer eigenständigen Gesellschaft. SEA Milan Airports, Betreiber von Malpensa und Linate, hält eine 31-%-Minderheitsbeteiligung an SACBO. Präsident ist Giovanni Sanga, Generaldirektorin seit Mai 2024 Amelia Corti.

Nachhaltigkeit: ACA Level 4 und Kurs auf Netto-Null bis 2045

Im September 2025 erhielt Bergamo die ACA-Level-4-Zertifizierung von ACI Europe – eine der höchsten Auszeichnungen für klimafreundlichen Flughafenbetrieb. Die im Mai 2024 vorgestellte „Net Zero Roadmap" sieht Netto-Null-Emissionen im Direktbetrieb bis 2045 vor, mit einem Zwischenziel von minus 50 % absoluter CO₂-Reduktion bis 2030. Konkret: vollständige Elektrifizierung der Bodenfahrzeuge, Biokraftstoffe als Übergangslösung, Umstellung auf Wärmepumpen und 100 % Grünstrom.

Der Flughafen wurde zudem als erster europäischer Airport „Bike Friendly" zertifiziert und nimmt am LIFE-Biodiversitätsprojekt der Lombardei teil.

Bergamo: UNESCO-Weltkulturerbe vor der Flughafentür

Nur fünf Kilometer vom Terminal liegt eine der spektakulärsten Altstädte Italiens. Die Città Alta von Bergamo thront auf einem Hügel, eingeschlossen von den venezianischen Stadtmauern – seit 2017 UNESCO-Weltkulturerbe. Sechs Kilometer Befestigungsring, erbaut ab 1561 von der Republik Venedig, mit 14 Bastionen, vier monumentalen Stadttoren und einem unterirdischen Tunnelsystem. Für ihren Bau wurden 250 Gebäude abgerissen, darunter acht Kirchen – was acht päpstliche Exkommunikationen nach sich zog.

Innerhalb der Mauern: kopfsteingepflasterte Gassen, die Piazza Vecchia, die Basilica di Santa Maria Maggiore, die Cappella Colleoni und der Campanone – der Stadtturm, der noch heute um 22 Uhr mit 100 Glockenschlägen an die nächtliche Torschließung erinnert. Bergamo ist zudem die Heimat der Stracciatella-Eiscreme (erfunden in der Gelateria La Marianna in der Oberstadt) und des Opernkomponisten Gaetano Donizetti.

Direkt gegenüber dem Terminal liegt das Oriocenter – eines der größten Einkaufszentren Italiens, erreichbar über einen Fußgängertunnel unter der Autobahn.

Für wen ist Bergamo der richtige Flughafen?

Ideal für: Schnäppchenflieger mit Ryanair und Wizz Air, Norditalien-Urlauber (Mailand, Comer See, Gardasee, Bergamo), Kulturreisende zur UNESCO-Altstadt, Messebesucher Fiera Milano, ab 2026 auch Olympia-Besucher

⚠️ Einschränkungen: Kein Hub-Airport, keine Umsteigeverbindungen, Langstrecke nur nach Dubai/Sharjah, bis 2026 keine Bahnanbindung – Transfer nach Mailand per Bus (60 Min.) oder Taxi (ca. 130 €)