Airbus & MTU planen Joint Venture für Wasserstoff-Antrieb
Airbus und MTU Aero Engines wollen gemeinsam ein Joint Venture gründen, das die Entwicklung eines vollelektrischen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antriebs für Verkehrsflugzeuge vorantreibt. Grundlage ist ein Memorandum of Understanding, das beide Unternehmen auf der Paris Air Show unterzeichnet haben. Das geplante Unternehmen soll den gesamten Lebenszyklus solcher Antriebssysteme abdecken, von der Entwicklung über die Erprobung bis hin zur Zertifizierung und Vermarktung. Damit rückt eine klimaneutrale Luftfahrt einen bedeutsamen Schritt näher.
Inhaltsverzeichnis
Warum dieses Joint Venture die Luftfahrt verändern könnte ✈️
(c) Bilder Airbus/ MTU
Wer schon einmal am Fensterplatz eines Langstreckenfluges saß und den Kondensstreifen nachgeschaut hat, der sich hinter dem Triebwerk in den Himmel zeichnete, der weiß: Fliegen ist faszinierend, aber auch ressourcenintensiv. Genau hier setzt die Partnerschaft zwischen Airbus und MTU Aero Engines an. Beide Unternehmen verfolgen das Ziel, den Luftverkehr grundlegend neu zu denken, und zwar mit einem Antrieb, der keine Kohlendioxid- oder Stickoxid-Emissionen während des Fluges erzeugt.
Die Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie funktioniert über eine elektrochemische Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff. Das einzige Nebenprodukt ist Wasserdampf. Die Wirkung auf das Klima wäre damit grundlegend anders als beim heutigen Kerosinbetrieb. Experten vergleichen das Potenzial dieser Technologie mit dem Durchbruch der Elektrofahrzeuge im Automobilsektor.
Das geplante Joint Venture im Überblick

Das neue Unternehmen soll als eigenständige, agile Einheit arbeiten und dabei auf die Kompetenzen beider Mutterkonzerne zurückgreifen können. Es wird von Entwicklungs- und Fertigungsteams aus beiden Häusern unterstützt. Der Fokus liegt auf vier zentralen Aufgaben:
- Technologieentwicklung des Brennstoffzellen-Antriebssystems
- Konstruktion und ingenieurstechnische Auslegung
- Erprobung unter realen Bedingungen
- Zertifizierung nach Luftfahrtstandards und anschließende Vermarktung
Das Joint Venture soll voraussichtlich 2027 wirksam werden, sofern alle behördlichen Genehmigungen erteilt werden und der sozialpartnerschaftliche Dialog auf europäischer und nationaler Ebene abgeschlossen ist.
Zeitplan und Meilensteine auf einen Blick
| Zeitpunkt | Meilenstein |
|---|---|
| März 2025 | Airbus fokussiert sich offiziell auf vollelektrischen Brennstoffzellen-Antrieb |
| Juni 2025 (Paris Air Show) | Unterzeichnung des Memorandum of Understanding durch Airbus und MTU |
| Laufend | MTU beginnt Fertigung der Brennstoffzellen-Stacks für den Demonstrator |
| Laufend | Erster erfolgreicher Test des Elektromotors eMoSys bei MTU |
| Laufend | Erste Testzelle in München in Betrieb genommen |
| Voraussichtlich 2027 | Joint Venture wird rechtlich wirksam |
Was bringt jedes Unternehmen mit? 🔬
Beide Partner ergänzen sich in diesem Vorhaben auf bemerkenswerte Weise. Airbus bringt jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Zivilluftfahrt mit, dazu umfassendes Know-how rund um Brennstoffzellentechnologie und den Umgang mit flüssigem Wasserstoff. MTU Aero Engines steuert eine langjährige Expertise in der Triebwerksentwicklung bei, ergänzt durch anerkannte Kompetenzen in den Bereichen Integration, Validierung, Zertifizierung und Instandhaltung von Antriebssystemen.
Kompetenzen im Vergleich
| Unternehmen | Kernkompetenzen im Joint Venture |
|---|---|
| Airbus | Zivilluftfahrt, Brennstoffzellensysteme, flüssiger Wasserstoff, ZEROe-Programm |
| MTU Aero Engines | Triebwerkskonstruktion, Integration, Zertifizierung, Instandhaltung, Flying Fuel Cell™ |
Die Stimmen der Verantwortlichen
Bruno Fichefeux, Leiter Zukunftsprogramme bei Airbus, beschreibt das Vorhaben als „nächsten logischen Schritt“ einer gemeinsamen Vision:
„Wir bündeln unsere jeweiligen Technologien und unser Fachwissen in einer eigens dafür gegründeten Einheit. Damit schaffen wir ein europäisches Kompetenzzentrum, das in der Lage ist, Spitzenforschung in industrialisierte, zertifizierbare elektrische Antriebssysteme zu übersetzen.„
Dr. Stefan Weber, Leiter Entwicklung und Technologie bei MTU Aero Engines, ergänzt:
„Dieses Vorhaben ist ein entscheidender Meilenstein auf unserem Weg zum ersten Wasserstoffantrieb. Wir wollen ein Unternehmen gründen, das den gesamten Lebenszyklus von Brennstoffzellen-Antrieben abdeckt, von der Entwicklung und Erprobung bis hin zur Zertifizierung und Vermarktung.„
MTU Flying Fuel Cell™ und das Projekt HEROPS 🌍
MTU Aero Engines verfolgt bereits seit Jahren einen konkreten Entwicklungspfad unter dem Namen Flying Fuel Cell™. Das Design für diesen Demonstrator wurde festgelegt, die Fertigung der Brennstoffzellen-Stacks hat begonnen, und der Elektromotor des Systems namens eMoSys wurde erstmals erfolgreich getestet. Parallel dazu leitet MTU das Clean-Aviation-Technologieprojekt HEROPS (Hydrogen-Electric Zero Emission Propulsion System), das Anfang 2024 gestartet wurde. Ziel von HEROPS ist die Entwicklung innovativer Technologien für einen klimaneutralen, wasserstoffbetriebenen elektrischen Antriebsstrang auf Basis der Flying Fuel Cell.
Mehr als nur Technik: Der Aufbau eines Wasserstoff-Ökosystems
Beide Unternehmen betonen, dass eine erfolgreiche Einführung des Wasserstoffantriebs weit über die reine Antriebstechnologie hinausgeht. Es braucht ein gesamtes Wasserstoffumfeld für die Luftfahrt: Infrastruktur an Flughäfen, Lieferketten für flüssigen Wasserstoff, neue Sicherheitsstandards und angepasste rechtliche Rahmenbedingungen. Airbus und MTU wollen auch hier aktiv daran mitwirken, diese Voraussetzungen zu schaffen, damit Wasserstoff-Flugzeuge eines Tages tatsächlich im großen Maßstab abheben können.
Der Vergleich mit der Elektromobilität im Automobilbereich ist dabei kein Zufall: So wie Elektroautos zunächst einer neuen Ladeinfrastruktur bedurften, werden auch wasserstoffbetriebene Flugzeuge ein vollständig neu gedachtes Bodeninfrastruktur-Konzept benötigen.
Was bedeutet das für Reisende? 🛫
Für Flugreisende mag das alles zunächst nach ferner Zukunft klingen. Doch die Weichen werden jetzt gestellt. Wer heute bucht, reist noch mit herkömmlichen Antrieben. Aber die Entscheidungen, die Airbus, MTU und andere Akteure der Branche heute treffen, bestimmen, wie Fliegen in zehn bis zwanzig Jahren aussehen wird. Ein emissionsfreier Kurzstreckenflug, der nur Wasserdampf hinterlässt, ist kein Science-Fiction-Szenario mehr, sondern ein konkretes Entwicklungsziel mit messbaren Meilensteinen und institutioneller Struktur.
Wer in der Zwischenzeit klimabewusst reisen möchte, kann schon heute auf gut erreichbare Abflughäfen setzen, kurze Anreisewege wählen und beim Parken oder Übernachten am Flughafen auf Anbieter achten, die Nachhaltigkeit ernst nehmen. Auf park-sleep-fly.net/parken-flughafen finden Sie eine große Auswahl an Parkplätzen an deutschen Flughäfen, und unter park-sleep-fly.net/hotel-flughafen können Sie komfortable Flughafenhotels für Ihre nächste Reise vergleichen und buchen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Airbus und MTU Aero Engines planen ein gemeinsames Joint Venture für einen vollelektrischen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb.
- Grundlage ist ein Memorandum of Understanding, unterzeichnet auf der Paris Air Show im Juni 2025.
- Das Joint Venture soll voraussichtlich 2027 rechtlich wirksam werden, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.
- Die Brennstoffzellentechnologie erzeugt Strom aus Wasserstoff und Sauerstoff; einziges Nebenprodukt ist Wasserdampf.
- MTU bringt die Flying Fuel Cell™ und das Projekt HEROPS als konkrete Technologiebasis mit.
- Airbus steuert Expertise aus dem ZEROe-Programm sowie Erfahrung mit flüssigem Wasserstoff bei.
- Ziel ist das erste wasserstoffbasierte Brennstoffzellen-Antriebssystem für ein Verkehrsflugzeug.
- Neben der Technik soll auch die notwendige Infrastruktur und der rechtliche Rahmen aktiv mitgestaltet werden.
Fachbegriffe des Artikels prägnant erklärt
Was ist ein Memorandum of Understanding (MoU)?
Ein Memorandum of Understanding ist eine schriftliche, in der Regel nicht rechtsverbindliche Absichtserklärung zwischen zwei oder mehr Parteien, die gemeinsame Ziele, geplante Kooperationsfelder und grundlegende Rahmenbedingungen einer zukünftigen Zusammenarbeit festhält. Im vorliegenden Fall dient das MoU zwischen Airbus und MTU als formale Grundlage für die Planung des Joint Ventures und signalisiert nach außen den ernsthaften Willen beider Unternehmen zur Zusammenarbeit.
Was ist ein Joint Venture?
Ein Joint Venture ist ein gemeinsames Unternehmen, das von zwei oder mehr Partnern gegründet wird, um ein definiertes Geschäftsziel zu verfolgen, wobei Ressourcen, Risiken und Gewinne geteilt werden. Im Unterschied zu einer einfachen Kooperationsvereinbarung entsteht beim Joint Venture eine eigenständige rechtliche Einheit mit eigener Organisationsstruktur, eigenem Personal und eigenem Geschäftsauftrag.
Was ist eine Wasserstoff-Brennstoffzelle?
Eine Wasserstoff-Brennstoffzelle ist ein elektrochemisches System, das durch die kontrollierte Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff elektrischen Strom erzeugt. Anders als bei der Verbrennung entsteht dabei keine Wärme durch offene Flammen, sondern Strom durch einen ionischen Prozess an Elektroden, wobei als einziges Nebenprodukt Wasserdampf anfällt. In der Luftfahrt soll diese Technologie herkömmliche Triebwerke ersetzen oder ergänzen, um Kohlendioxid- und Stickoxid-Emissionen zu eliminieren.
Was bedeutet ZEROe bei Airbus?
ZEROe ist das langfristige Programm von Airbus zur Entwicklung emissionsfreier Verkehrsflugzeuge, das auf Wasserstoff als Primärenergieträger setzt. Der Name leitet sich vom Ziel ab, null (englisch: zero) CO₂-Emissionen im Flugbetrieb zu erreichen. Im Rahmen von ZEROe erforscht Airbus verschiedene Antriebskonzepte, darunter Wasserstoff-Brennstoffzellen sowie wasserstoffbetriebene Gasturbinen.
Was ist die Flying Fuel Cell™ von MTU?
Die Flying Fuel Cell™ ist das proprietäre Brennstoffzellen-Antriebskonzept der MTU Aero Engines, das speziell für den Einsatz in Verkehrsflugzeugen entwickelt wird. Es kombiniert Wasserstoff-Brennstoffzellen-Stacks mit einem leistungsfähigen Elektromotor (eMoSys) zu einem integrierten Antriebsstrang. Das Konzept bildet die technologische Basis des MTU-Beitrags im geplanten Joint Venture mit Airbus.
Was ist das Projekt HEROPS?
HEROPS steht für Hydrogen-Electric Zero Emission Propulsion System und ist ein Technologieprojekt im Rahmen des europäischen Clean-Aviation-Programms, das von MTU Aero Engines geleitet wird. Es wurde Anfang 2024 gestartet und zielt darauf ab, einen vollständigen, klimaneutralen, wasserstoffbetriebenen elektrischen Antriebsstrang auf Basis der Flying Fuel Cell™ zu entwickeln und zu demonstrieren.
Was sind Brennstoffzellen-Stacks?
Brennstoffzellen-Stacks sind das Herzstück eines Brennstoffzellensystems: Sie bestehen aus einer Vielzahl einzelner Brennstoffzellen-Einheiten, die übereinandergeschichtet (gestapelt) werden, um die gewünschte elektrische Leistung zu erreichen. Je mehr Einzelzellen ein Stack enthält und je größer deren aktive Fläche ist, desto höher ist die erzeugte elektrische Leistung. Für den Einsatz in Verkehrsflugzeugen müssen Stacks extrem leicht, kompakt und gleichzeitig hochleistungsfähig sein.
Was bedeutet Kryotechnik im Kontext der Luftfahrt?
Kryotechnik bezeichnet die Technologie zur Erzeugung, Speicherung und Handhabung von Stoffen bei extrem niedrigen Temperaturen. Im Zusammenhang mit Wasserstoff-Antrieben ist Kryotechnik besonders relevant, weil Wasserstoff in flüssiger Form bei etwa minus 253 Grad Celsius gespeichert werden muss, um eine ausreichend hohe Energiedichte für den Flugbetrieb zu erreichen. Die sichere und effiziente Kryospeicherung an Bord von Flugzeugen ist eine der zentralen technischen Herausforderungen auf dem Weg zur wasserstoffbetriebenen Luftfahrt.
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